Das Grüne Büro
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Nur wenige Menschen arbeiten heute noch auf dem freien Feld oder in offenen Hallen wie es vor Jahrzehnten der Fall war. Stattdessen verbringt der sogenannte moderne Mensch des 21. Jahrhunderts etwa 80 % und mehr seines Lebens in geschlossenen Räumen, sei es die Wohnung, die Fabrik oder das Büro – Tendenz steigend. Allein in Deutschland bestreiten etwa 17 Millionen Menschen ihren Arbeitstag in einem Büro. Grund genug, um diesen Arbeitsplatz etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und dort gesundheitsförderliche Faktoren einzubringen.
Denn was auf den ersten Blick als relativ harmloser Arbeitsplatz erscheint, hat es bei genauerer Betrachtung durchaus in sich: Entgegen der landläufigen Meinung ist der Büroalltag in den meisten Fällen alles andere als belastungsarm und oft durch unterschiedliche körperliche wie auch psychische Faktoren beeinflusst. Stress, ständige Anspannung und Arbeiten unter Zeitdruck tragen nicht gerade zum Wohlbefinden bei. Diese Belastungen werden durch das graue Einerlei moderner Bauwerke oder ungünstige raumklimatische Bedingungen (Zugluft, Wüstenklima durch trockene Heizungsluft im Winter, …) noch verstärkt. Viele Angestellte klagen zunehmend über gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein.
Stellt sich die Frage: Wie kann man das Wohlbefinden im Büro steigern? Wie schaffe ich ein "Prima Klima" zum Wohlfühlen?
Prima Büroklima!
Prima Klima im Büro heißt: Es sollte nicht zu kalt, aber auch nicht zu warm sein. Die Lufttemperatur sollte zwischen 20 und 24 °C betragen. Es sollte keine Zugluft auftreten und die Luft selbst sollte weder zu feucht noch zu trocken sein. Ideal ist eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 65 %. Gerade in den Wintermonaten, wenn die Heizung auf vollen Touren läuft, bereitet vor allem die Luftfeuchtigkeit Schwierigkeiten. In vielen Büros sinkt sie unter 30 %. Die Folgen dieses „Wüstenklimas“ können Augenreizungen, Hautprobleme und ausgetrocknete Mund- und Nasenschleimhäute sein. Dies wiederum begünstigt Erkältungskrankheiten oder führt zu einer Zunahme der Beschwerden bei Allergikern und Asthmatikern.
Wichtig ist, dass die Beschäftigten das Klima an ihrem Arbeitsplatz selbst regulieren können.
Wie wirken Pflanzen?
Auf der Suche nach Lösungen wurden inzwischen zahlreiche nationale und internationale Studien mit dem Ziel gestartet, die Auswirkungen von Innenraumbegrünungen auf das Raumklima, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen zu untersuchen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bestätigen:
Pflanzen können wesentlich zur "Behaglichkeit" in Räumen beitragen. Dabei sind sich die Wissenschaftler einig, dass Pflanzen immer auf mehreren Ebenen wirken und diese Wirkungen sich gegenseitig beeinflussen und verstärken.
Pflanzen wirken physikalisch-chemisch verbessern das Raumklima, indem sie die Luftfeuchtigkeit erhöhen. Etwa 97 % des Gießwassers wird durch die Transpirationsleistung der Pflanzen wieder an die Umgebung abgegeben. So kann man selbst in den Wintermonaten die Luftfeuchtigkeit im angenehmen Bereich halten. Außerdem sind Pflanzen in der Lage Stäube zu binden und bestimmte Grünpflanzen können sehr effektiv organische Schadstoffe wie Formaldehyd, Aceton oder Toluol aus der Luft filtern. Man spricht daher auch von der sog. "Grünen- Leber-Funktion" der Pflanzen analog zur "Grünen-Lunge-Funktion". Weiterhin können Pflanzen einen wesentlichen Beitrag zur Schalldämmung und somit zur Verbesserung der Raumakustik leisten.
So zeigten Messungen der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Essen, dass neun Pflanzen der Art Ficus benjamina (Höhe 1,80 m) in einem 30 m2 großen Raum etwa 25 % der insgesamt erforderlichen Schalldämmung erzielen.
Pflanzen wirken emotional-psychisch
Untersuchungen zeigen immer wieder: Menschen fühlen sich von lebendigem Grün angezogen und empfinden Behaglichkeit und Ausgeglichenheit in der Umgebung von Pflanzen. Umfragen ergaben, dass sich Mitarbeiter in begrünten Büros wohler fühlen und eine größere Arbeitszufriedenheit aufweisen, als Mitarbeiter in unbegrünten Räumen. Dies führt auch zu einer steigenden Effizienz und Effektivität der Arbeit. Gemessen werden diese Faktoren beispielsweise an Ausfallzeiten und an der Fluktuationsrate. Pflanzen können also auf vielfältige Weise einen wichtigen Beitrag zu einem "gesunden Büroarbeitsplatz" leisten.
Doch wie begrünt man "richtig"?
Was muss ich beim Begrünen beachten? Wenn ein paar Punkte beachtet werden, steht dem "gesunden Dschungel im Büro" nichts mehr im Wege:
- Es ist vor allem wichtig, dass die Pflanzen beim Kauf entsprechend dem geplanten Standort richtig ausgewählt werden. Nur wenn beispielsweise der Faktor Licht stimmt, kann die Pflanze optimal gedeihen und nur gesunde Pflanzen können auch zu einem gesunden Raumklima beitragen.
- Erkundigen Sie sich im Fachhandel, welche Pflanzen Luftschadstoffe besonders effektiv abbauen. Bekannte Zimmerpflanzen mit dieser Eigenschaft sind beispielsweise Grünlilie, Einblatt, Philodendron, Efeu, Efeutute oder auch Drachenbaum.
- Zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit während der Heizperiode sollten großblättrige Pflanzen mit hohen Verdunstungsraten wie z. B. Zimmerlinde, Nestfarn oder Zyperngras gewählt werden.
- Besprühen Sie Ihre Pflanzen neben dem Gießen regelmäßig mit weichem Wasser (z. B. Regenwasser oder destilliertem Wasser). Pflanzen sind bei zu trockener Luft anfälliger gegenüber Schädlingen.
- Gießen Sie regelmäßig, aber nicht zuviel. Ein übermäßiges Gießen begünstigt das Wachstum von Schimmelpilzen in der Erde und schadet außerdem den Pflanzen. Die meisten Pflanzen vertragen eher zu trockenes als zu feuchtes Substrat. Den richtigen Zeitpunkt zum Gießen können Sie ganz einfach mit Hilfe des "Fingertests" feststellen. Dazu mit den Fingern in die Erde greifen. Erde prüfen. Nur wenn sie locker, trocken und krümelig ist, gießen. Wasser, das 30 Minuten nach dem Gießen noch im Untersetzer bzw. Übertopf ist, abgießen.
- Für einige Zimmerpflanzen wird ein Allergie auslösendes Potential diskutiert. So enthält der Milchsaft des beliebten Ficus benjamini Allergene, die zu gesundheitlichen Beschwerden führen können. Personen, die bereits sensibilisiert sind oder empfindlich reagieren, sollten dies bei der Auswahl der Pflanzen berücksichtigen.
- Auch wenn Pflanzen zur Luftverbesserung dienen, ersetzen sie natürlich nicht das regelmäßige Lüften im Büro!
Fazit
Tun Sie also für sich und Ihre Kolleginnen und Kollegen etwas Gutes: Holen Sie sich einfach ein paar "grüne Mitarbeiter" in Ihr Büro, die eine behagliche Umgebung schaffen und für ein gesundes Arbeitsklima sorgen.
Autorin: Dr. Elke Frenzel, Geschäftsbereich Prävention beim Bayer. GUVV

