Kanalballenpresse

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Kanalballenpresse
Kanalballenpresse

Personenschutz an Kanalballenpressen

Um Papier, Kartonagen und Folien wirtschaftlich wiederverwerten zu können, werden diese Materialien in Recyclingbetrieben nach Sorten getrennt und für den Transport zum Verarbeitungsbetrieb zu Ballen verpresst. Eine neue Norm soll die Arbeitsbedingungen an den hier eingesetzten Kanalballenpressen sicherer machen.


Unfallgeschehen

Immer wieder ereignen sich an Kanalballenpressen schwere und nicht selten auch tödliche Unfälle. Tödlich verlaufen Unfälle in der Regel, wenn Personen in den Pressenschacht geraten und sie selbst oder nachfallendes Material den Pressvorgang auslösen. Aus den vorliegenden Unfalldaten lässt sich erkennen, wie Personen in den Pressenschacht gelangen können.


An der Einfüllöffnung der Presse ist eine Arbeitsbühne angebracht, von der aus Störungen, die z.B. durch aufgestautes Material entstehen, mit Hilfsmitteln (Stangen etc.) beseitigt werden können. Statt von dieser sicheren Bühne aus zu agieren, kommt es vor, dass Arbeiter das Geländer der Arbeitsbühne übersteigen, um das Problem durch Niedertreten des Materials zu beseitigen.


Personen betreten entgegen der Betriebsanweisung das Zuführband, um Störungen zu beseitigen. In einzelnen Fällen geraten Personen aus Unachtsamkeit oder anderen Gründen auf das laufende Aufgabeband.

Zur Absicherung des Pressenschachtes wird im Bereich des Zuführbandes eine quer zur Förderrichtung angeordnete Reißleine gespannt, die auf einen Not-Aus-Schalter wirkt. Von dieser Reißleine hängen Bänder herab, mit denen eine auf dem Zuführband liegende Person den Not-Aus-Schalter betätigen soll.

An diesem Reißleinensystem treten je nach Art des verwendeten Schalters und verarbeiteten Produktes häufiger Störungen auf (Abschaltungen durch hoch stehende Materialien etc.). Vor allem aber können Personen, die beim Übersteigen des Geländers der Arbeitsbühne oder durch einen Sturz auf das laufende Zuführband verletzt wurden und dadurch handlungsunfähig sind, durch dieses Reißleinensystem nicht geschützt werden.


Neue Technik

Auf Initiative und mit Unterstützung der Großhandels- und Lagerei-Berufsgenossenschaft (GroLa-BG) bemühen sich seit längerer Zeit verschiedene Hersteller und Betreiber um die Entwicklung berührungslos wirkender Sicherungseinrichtungen.

Die bestehenden Systeme arbeiten nach folgendem Grundprinzip: Die zu schützende Person trägt einen Personenerkennungsbaustein (PEB). Gerät dieser in das Überwachungsfeld einer im Bereich des Pressenschachtes angebrachten Antenne, so wird im PEB ein Sender aktiviert, der über ein Signal den Abschaltvorgang von Presse und Bandförderer einleitet. Damit PEBs von den zu schützenden Personen nicht als störend empfunden und abgelegt werden, müssen sie einen möglichst hohen Tragekomfort haben. Hier bieten sich Lösungen wie der Einbau in den Sicherheitsschuh, die Arbeitskleidung oder den Gürtel an. Für ein PEB-gestütztes System wurde im Jahr 2003 beim Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitssicherheit (BGIA) in Sankt Augustin eine Baumusterprüfung durchgeführt. Hierbei wurden verschiedene technische Verbesserungen entwickelt, die den in Recyclingbetrieben an Kanalballenpressen herrschenden Bedingungen Rechnung getragen haben.


Sichere Anlagen durch Normung

Im Frühjahr 2006 wurde die KAN in die Fragestellung des sicheren Betriebes von Ballenpressen einbezogen. Sie beschloss, auf die Erstellung einer europäischen Norm hinzuwirken, die die sicherheitsrelevanten Bau- und Ausrüstungsbestimmungen für Kanalballenpressen enthalten soll. Als Basis hierfür soll ein vom berufsgenossenschaftlichen Fachausschuss „Förder- und Lagertechnik“ erarbeiteter Vorschlag für einen Normentwurf herangezogen werden. Damit die Belange des Arbeitsschutzes möglichst umfassend berücksichtigt werden, sind auch Arbeitsschutzexperten aus anderen europäischen Ländern aufgerufen, sich in die laufende Diskussion einzubringen. Interessierte Experten können mit Dr. Thierbach1 (KAN) oder Herrn Rovedo (GroLa-BG) Kontakt aufnehmen oder sich im eigens zu diesem Thema eingerichteten Topic im Maschinenforum des Arbeitsschutznetzwerkes EUROSHNET (www.euroshnet.org) an der Diskussion beteiligen.


Quelle: GroLa-BG Franco Rovedo


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