Luft - Raumklima und Luftbefeuchtung
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Was ist "schlechte Luft"?
Ohne Zufuhr von Außenluft ändert sich in Räumen mit darin beschäftigten Personen die Luftzusammensetzung. Da der Mensch Kohlendioxid (CO2) abatmet, kann der CO2-Gehalt der Raumluft als Maß für die Luftqualität herangezogen werden. Der Grenzwert für eine zumutbare Luftqualität wird mit 0,15 Prozent (Normalwert in der Außenluft = 0,03 Prozent) angenommen, weil ab dieser Konzentration in aller Regel der Gehalt der Luft an anderen Stoffen eine unangenehme Geruchsbelästigung bedingt. Der Sauerstoffgehalt der Luft ändert sich entgegen einer weit verbreiteten Annahme hingegen nur wenig und spielt für das Befinden der Menschen in Räumen praktisch keine Rolle. Der Frischluftbedarf beträgt bis zu 60 m3 pro Stunde und Person. In Räumen bis zu einer bestimmten Größe (siehe Arbeitsstätten-Richtlinie „Lüftung“ ASR 5) ist Fensterlüftung ausreichend. Um eine effektive Lüftung zu gewährleisten, Lärmbelästigung von außen und dauernde Zugluft zu vermeiden, sollte die Stoßlüftung (mehrminütiges Öffnen der Fenster mehrmals täglich) gegenüber dauernd gekippten Fenstern bevorzugt werden.
Sind Klimaanlagen ungesund?
Das Thema Klimatisierung wird unterschiedlich, oft auch sehr emotionsgeladen diskutiert. Zwei Meinungen stehen sich gegenüber: Raumlufttechnische Anlagen (RLT) sind gesundheitsschädlich und RLT-Anlagen steigern den Komfort am Arbeitsplatz. Auch der Kostenfaktor spielt eine Rolle. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Entscheidung zur Vollklimatisierung eines Bürogebäudes etwa 20 Prozent der Investitionskosten für das Gesamtgebäude betrifft und anschließend laufend Kosten für Betrieb und Wartung anfallen.
In Vergleichsstudien beurteilen Beschäftigte die Klimasituation folgendermaßen: 50 Prozent der Mitarbeiter in natürlich belüfteten Gebäuden sind mit dem Raumklima unzufrieden, in klimatisierten Gebäuden sogar 60 Prozent. Als Verbesserungswünsche werden am häufigsten höhere Luftfeuchtigkeit und mehr Frischluft genannt, unabhängig davon, ob das Gebäude klimatisiert ist oder nicht. Weiterhin sind 42,3 Prozent der Beschäftigten unzufrieden mit dem Geräuschpegel der Klimaanlage. Insgesamt betrachtet wird das Raumklima im klimatisierten Gebäude als schlechter beurteilt als im natürlich belüfteten.
Der Mensch besitzt keine Sensoren für einzelne Klimaparameter. So hat er auch keine Möglichkeit, die Höhe der Luftfeuchtigkeit im Raum annähernd genau zu bestimmen. Studien haben ergeben, dass in befeuchteten Gebäuden mehr Beschäftigte mit der Luftfeuchtigkeit im Sinne von zu trockener Luft unzufrieden sind als in natürlich belüfteten Gebäuden. Trotz höherer Luftfeuchte findet man in klimatisierten Gebäuden eine hohe Beschwerderate über Lufttrockenheit, trockene Schleimhäute und gereizte Augen. Das Raumklima wird in nicht befeuchteten Räumen eher als angenehmer empfunden. Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass die geäußerten Beschwerden unabhängig von der relativen Luftfeuchte sind. Bisher gibt es keinen überzeugenden wissenschaftlichen Beleg dafür, dass die Befeuchtung von Wohn- und Büroräumen aus medizinischen Gründen notwendig ist.
Betriebsärzte kennen das Phänomen, dass Beschäftigte eine hohe Luftfeuchte als komfortabel bewerten und wie einen wertvollen Besitzstand verteidigen.
Es muss betont werden, dass man mit der Entscheidung für eine technische Luftbefeuchtung eine ganze Reihe schlecht kalkulierbarer Gesundheitsrisiken für die Raumbenutzer eingeht. Es ist fraglich, ob eine gesundheitlich unbedenkliche Luftbefeuchtung überhaupt möglich ist. Die Achillesferse ist in jedem Fall die drohende Verkeimung des Befeuchtungswassers in RLT-Anlagen. Hier kann die Ursache für verschiedene Krankheitsbilder und Gesundheitsstörungen liegen. Infektionen, allergische Reaktionen und Befindlichkeitsstörungen können durch die Besiedelung mit Schimmelpilzen und Bakterien hervorgerufen werden.
Aus diesen Gründen sollte auf eine technische Luftbefeuchtung verzichtet werden, wenn sie nicht aus produktionstechnologischen Gründen wirklich erforderlich ist.
