Wirtschaftliche Aspekte der Prävention
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Wirtschaftliche Aspekte der Prävention: Sicher kostet Geld - Unsicher kostet mehr Geld
Lohnt es sich in der schwierigen wirtschaftlichen Situation überhaupt noch in Prävention zu investieren?
Ja - Die Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten ist nicht nur ein Gebot der Humanität, sondern auch ein elementares Ziel erfolgreichen unternehmerischen Handelns. Jede behandlungsbedürftige Unfallverletzung führt neben einer Belastung der in einer Berufsgenossenschaft zur Solidargemeinschaft zusammengeschlossenen Unternehmer auch zu hohen direkten betrieblichen Kosten. Der folgende Bericht zeigt, dass Prävention bei verhältnismäßig geringen Investitionen erhebliche wirtschaftliche Vorteile bringt. Um dies zu verdeutlichen, werden nach einem Blick auf einige wirtschaftliche Rahmendaten die kostenseitigen Auswirkungen eines Arbeitsunfalles aufgezeigt, anschließend werden als konkretes Beispiel die Kosten, die der Solidargemeinschaft bei Unfällen an Förderbändern entstehen, quantifiziert und den Investitionen in die Prävention gegenübergestellt.
Kosten eines Unfalles
Unfälle bedingen betriebliche Kosten, die unmittelbar zu Lasten des Unternehmens gehen, sowie Kosten für die in der Unfallversicherung vereinigte Solidargemeinschaft. Die folgende Checkliste zählt einige Parameter auf, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Betriebliche Unfallkosten und Auswirkungen
- Produktivitätsverlust durch
- Zeit zur Versorgung des Verletzten (betrifft häufig auch benachbarte Arbeitsplätze, ggf. zusätzlich durch Schaulustige)
- Stillstand der Maschinen (Maschinen/Anlagen dürfen erst wieder nach Beseitigung der Gefährdung in Betrieb gehen)
- Aufräumarbeiten
- unfallbedingten Arbeitsausfall (problematisch insbesondere bei Ausfall besonders qualifizierter Mitarbeiter)
- Suche und Einarbeitung von Ersatz-Arbeitnehmern
- interne Unfalluntersuchung, Einleitung von Maßnahmen zur Vermeidung der Wiederholung
- Begleitung der externen Unfalluntersuchung (Berufsgenossenschaft, Polizei/Staatsanwaltschaft, Sachversicherer) durch Führungskräfte des Unternehmens
- administrativer Aufwand (z. B. Unfallmeldung, Schriftverkehr, fürsorgender Aufwand)
- Kosten durch
- Erste Hilfe und Rettungstransport
- Sachschäden
- Entgeltfortzahlung einschließlich der Sozialversicherungsbeiträge und sonstiger Lohnnebenkosten
- höhere Versicherungsbeiträge, Verlust von Prämien
- bei relevantem (Mit-)Verschulden der Verantwortlichen Bußgeld, Rückgriff des Versicherers (Regress), ggf. Rechtsberatung und Gerichtsverfahren
- Folgen des Produktivitätsverlustes
- Verzögerte Liefertermine mit möglicherweise daraus resultierenden Konventionalstrafen / Schadenersatzforderungen, Verlust von Kunden
- Qualitätsprobleme
- zu hohe Dauerbeanspruchung der verbleibenden Mitarbeiter
- Verlust an Konkurrenzfähigkeit
- Auswirkungen auf das Unternehmensimage
- Unternehmensimage leidet (Wahrnehmung durch Kunden, Vertragspartner, Medien, Öffentlichkeit)
- internes Unternehmensimage leidet (Wahrnehmung durch Kollegen, Einfluss auf die Motivation)
Die zunehmende Auslastung und Beanspruchung durch eine ausgedünnte Personaldecke und gestiegene Verantwortung jedes einzelnen Arbeitsnehmers verstärken heute die Auswirkungen von unfallbedingten Fehlzeiten dramatisch. Eine international angelegte Untersuchung der Münchener Rück - einer der weltgrößten Rückversicherungsgesellschaften - zum Thema Unfallfolgekosten nennt weitere Faktoren wie Auswirkungen auf das Gesundheitswesen, Verbraucher (steigende Endpreise), Anteilseigner, Investmentmärkte, Gesellschaft und Staat; seitens der Arbeitnehmer zudem Einkommensverlust und verminderte Beschäftigungschancen.
Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass weitere internationale Untersuchungen zu Unfallfolgen noch zusätzliche Aspekte wie Schmerzensgeldzahlungen und Kosten für gerichtliche Auseinandersetzungen addieren, die erhebliche Dimensionen erreichen können, in Deutschland jedoch durch das System der gesetzlichen Unfallversicherung bei Arbeitsunfällen in aller Regel nicht auftreten.
Betriebliche Unfallkosten in Wahrheit
Die betrieblichen Kosten eines Ausfalltages wurden vielfach untersucht und werden mit 500 Euro bis 1000 Euro pro Tag und mehr beziffert.
Unterschiedlichen Ergebnisse sind durch verschiedene Betrachtungszeiträume und unterschiedliche Wirtschaftsleistungen der verschiedenen Unternehmen bedingt. Durch einen Unfall entstandene monetäre Verlust ist hoch und wird meistens unterschätzt. Bezogen auf die Industrie liegen die Kosten für einen Arbeitsunfall mit einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von 15 Tagen bei etwa 7.500,00 Euro.
Dies zeigt mit aller Deutlichkeit, dass Handlungsbedarf besteht.
Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sind sich oftmals nicht bewusst, wie Defizite in der Arbeitssicherheit und im Gesundheitsschutz auch das gesamtwirtschaftliche Ergebnis des Unternehmens beeinflussen. Vielfach werden die Unfälle als notwendiges Übel oder deren Verringerung als unlösbare Aufgabe betrachtet.
Die Unfallkosten in Höhe von mindestens 500 Euro bis 1000 Euro je Ausfalltag sind Anlass zum Handeln und dürfen nicht vernachlässigt werden, wenn ein Unternehmen keinen Schaden erleiden will. Arbeitsschutz und Wirtschaftlichkeit sind keine Gegensätze, sondern sie stehen in direktem Bezug zueinander; aber beide hängen von weiteren Faktoren ab, nämlich der Führungsqualität, der Unternehmenskultur sowie der Motivation von Führung und Mitarbeitern und ergänzen sich zu dem gemeinsamen Ziel, die Zukunft des Unternehmens zu sichern.
So gesehen ist die Reduzierung der Unfallkosten kein Bumerang für die Unternehmen, sondern ein Gebot der Stunde.

